Verputz – eine Haut für jede Wand

Mit dem nötigen handwerklichen Geschick, lassen sich Innenwände auch in Eigenregie verputzen. So lässt sich beim Innenputz einiges an Kosten sparen. Im Gegensatz zu einer Tapete, durch die bereits ein fertiges Muster an die Wand gebracht wird, ergeben sich beim Verputzen kreative Möglichkeiten bei der Wandgestaltung, inklusive abwechslungsreicher Effekte. So können Bürsten, Kämme und Spachtel genutzt werden, um unterschiedliche Strukturen in den Verputz zu zaubern. Und Verputz muss durchaus nicht immer nur klassisch Weiß sein. Bei Bedarf lässt sich der Putz auch in einer individuellen Farbe abtönen, um noch mehr Abwechslung in die Wandgestaltung zu bekommen. Mit Verputz lässt sich jede Wand ganz einfach optisch aufwerten!

Verputz ist nicht gleich Verputz

Verputz kann aus unterschiedlichen Materialien bestehen, zu verschiedenen Zwecken eingesetzt und mittels unterschiedlicher Techniken verarbeitet werden. Unterscheiden lassen sich Putze zum einen durch die Bindemittel und Zuschlagstoffe, die im Produkt verarbeitet sind. Erfolgt die Unterscheidung nach Bindemitteln, gibt es organische Bindemittel, wozu beispielsweise Kunstharz zählt sowie die mineralischen, anorganischen Bindemittel, darunter u.a. Gips und Zement. Abhängig vom jeweiligen Bindemittel, ergeben sich unterschiedliche Verwendungszwecke des Putzes. Stellt man auf die Zuschlagstoffe ab, gibt es mineralische Zuschlagstoffe wie u.a. Kies und Quarzsand, organische Zuschlagstoffe wie beispielsweise Stroh und Glasmehl, Vergütungen und Additive sowie sogenannte Leichtzuschläge, wozu u.a Kork und Schaumglasgranulat gehören. Je nachdem, welche Zusatzstoffe im Verputz verwendet werden, ergeben sich unterschiedliche technische und bauphysikalische Eigenschaften des Verputzes. Die Zuschlagstoffe beeinflussen also beispielsweise die Wärmeleitfähigkeit oder die Strukturbildung.

Die Putzbestandteile definieren die Putzsorte

Im Handel lassen sich Verputze finden, die in besonderem Maße reich an bestimmten Beimischungen, Zusatzstoffen oder Bindemitteln sind. Dadurch ergeben sich individuelle Putzeigenschaften und das Produkt kann je nach seinen Bestandteilen, besonders gut für bestimmte Anwendungen verwendet werden. So gibt es u.a. den Kalkputz, dessen Hauptbestandteil Kalk ist. Kalkputz zeichnet sich insbesondere durch seine fungiziden und diffusionsoffenen Eigenschaften aus, die der Bildung von Schimmelpilzen entgegenwirken. Angeboten wird weiterhin aus sogenannter Luftkalkputz, der maßgeblich aus dem Bindemittel Luftkalk basiert. Vorrangig kommt Luftkalkputz in kühlen Räumen mit schlechter Belüftung zum Einsatz. Aber auch Kalkzementputz gehört zur Auswahl. Seine Druckfestigkeit ist höher als die von reinem Kalkputz, zudem ist er noch unempfindlicher gegenüber Feuchtigkeit. Weitere Putzsorten sind u.a.:

  • Zementputz

Absorbiert Feuchtigkeit und wirkt sich so positiv auf das Raumklima aus

  • Gipsputz

Kommt im Innenbereich als geglätteter oder verriebener Putz als Ober- oder Unterputz für Tapeten zum Einsatz

  • Lehmputz

Besitzt diffusionsoffene und feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften, die sich positiv auf das Raumklima auswirken

  • Kunststoffputz

Wichtiger Bestandteil hier sind Kunststoff-Bindemittel. Kunststoffputz härtet schnell aus und lässt sich besonders dünn und rissfrei auftragen

Unterschiedliche Verputze für eine individuelle Oberflächengestaltung

Verputze lassen sich nicht nur anhand ihrer Hauptbestandteile unterscheiden. Bei der Auswahl kann auch darauf abgestellt werden, für welche Gestaltungstechniken der jeweilige Putz insbesondere gedacht ist. Ganz verschiedene Oberflächeneffekte lassen sich beispielsweise mit Rauputz erzielen, um eine gleichmäßig raue Wandoberfläche zu kreieren kann hingegen Rapputz verwendet werden und wunderbar kreativ lässt es sich mit Kratzputze werden. Bei Hobby-Heimwerkern sehr beliebt ist auch Strukturputz. Weiterhin angeboten werden u.a.

  • Buntsteinputz
  • Rustikalputz
  • Natursteinputz
  • Dekorputz
  • Schlämmputz
  • Modellierputz
  • Rillenputz
  • Mosaikputz
  • Schweißputz

Mit Verputz unterschiedliche Putztechniken umsetzen

Verputze lassen sich auf unterschiedliche Weise auf die Wand aufbringen. Verputz lässt sich daher auch entsprechend der jeweiligen Putztechnik einordnen. Bei Reibeputz etwa kommt das Reibebrett zum Einsatz, Filzputz hingegen lässt sich mittels Filzbrett zu einer glatten Oberfläche verarbeiten. Im Innenbereich sehr beliebt sind auch Glattputze, für deren Auftrag und Verarbeitung Glättkelle, Glätteisen oder polierte Steine zum Einsatz kommen. Beim Rollputz hingegen ist die Rolle das Hilfsmittel der ersten Wahl. Rollputz erfreut sich auch bei Hobby-Heimwerkern großer Beliebtheit, da er sich ähnlich wie Farbe auftragen lässt und sich hierdurch vom Reibeputz unterscheidet.

Sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch funktional

Verputz ist nicht nur eine wunderbare Möglichkeit der dekorativen Wandgestaltung, viele Putzsorten bringen auch noch eine eigene spezielle Funktion mit sich. So führt der Handel speziellen Dämm- bzw. Wärmedämmputz sowie auch sogenannten Edelputz und einen Opferputz, welcher als Luftkalkputz bevorzugt für die Sanierung von Mauern verwendet wird. Er dient der Trockenlegung und nimmt die bauschädlichen Salze auf, bevor er schließlich abgeschlagen wird, damit ein anderer Putz aufgetragen werden kann. Sockelputz hingegen hat sich im Dauernassbereich bewährt und mit Feuchtespeicherputz lässt sich Luftfeuchtigkeit aufnehmen, speichern und später wieder an die Umgebungsluft abgeben.

Organische Putze sind etwas Besonderes

Organische Putze der Putzklasse P Org sind bereits werkseitig fertig angemischt und nutzen als Bindemittel Kunstharze, welche beim Trocknen aushärten. Organische Putze sind in besonderem Maße belastbar. Zugleich bietet er Elastizität, wenn der Untergrund Spannungssituationen aufweist und er kann praktisch überall verarbeitet werden.

Verputz anmischen

Sollen kleinere oder mittelgroße Flächen verputzt werden, lässt sich der Putz ganz einfach selbst mittels Mischkübel und Rührstab anmischen. Betrieben wird der Rührstab durch eine Bohrmaschine oder einem Rührwerk. Geht es an das Verputzen größerer Flächen, haben kleinere Mischwerkzeuge jedoch ausgedient und es sollte zur professionellen Mischmaschine gegriffen werden. Besonders effektiv ist das Arbeiten mit einem speziellen Zwangmischer. Auch große Putzmengen lassen sich so homogen und schnell anmischen, was ein flüssiges und zeitsparendes Arbeiten ermöglicht. Großgeräte müssen zudem nicht unbedingt gekauft werden. Hier lohnt es sich, diese für die Zeit der entsprechenden Arbeiten einfach auszuleihen, beispielsweise bei einem Baustoffhändler. Was ebenfalls keinesfalls für die Vorbereitung des Verputzes fehlen darf, ist ein Gefäß mit Literskalierung. Dieses ist wichtig, um die Mengenangaben des Herstellers für das Anmachwasser genaustens einzuhalten.

Wie der Innenputz aufgebaut ist

Üblicherweise besteht Innenputz aus Unter- und Oberputz. Die Dicke des Unterputzes liegt, abhängig vom Einsatzzweck, bei 1 bis 10 cm, meist jedoch bei 1 bis 3 cm. Mittels Unterputz wird die Oberfläche geebnet und Unebenheiten ausgeglichen. Der Oberputz baut schließlich auf dem Unterputz auf. Dies geschieht in Form von Dünnschicht- oder Dickschichtputz.

Anwender haben die Qual der Wahl

Wie sich zeigt, ist die Auswahl in Sachen Verputz enorm vielfältig. Vor allem Hobby-Heimwerker sollten sich daher im Baumarkt ihres Vertrauens von einem Fachmann kompetent bei der Auswahl beraten lassen. Denn Verputz kann Oberflächen nicht nur optisch verschönern und Möglichkeiten zur kreativen Wandgestaltung bieten, er kann auch bautechnische Zwecke erfüllen.